Gestern kam ein interessanter Film auf ZDF-Info: Plastic Planet. In diesem Film beschäftigt sich Werner Boote mit dem Thema Plastik, seinen Auswirkungen auf die Umwelt und auf den menschlichen Körper.
Viele Aussagen im Film haben bei mir besonderen Eindruck hinterlassen. z.B. Charles Moore, der die Algalita Marine Research Foundation gegründet hat. Laut ihm beträgt das Verhältnis von Plastik zu Plankton in den Weltmeeren 6:1. In besonders verseuchten Gebieten sogar 60:1.
Besonders häufig war über Bisphenol A die Rede. Eine chemische Verbindung die für die Herstellung von Kunststoffen verwendet wird. Bisphenol A, abgekürzt BPA, ist sehr problematisch: Quelle: BUND
Bisphenol A wirkt ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und hat in Tierversuchen schon in geringer Konzentration zu Organmissbildungen, Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung und Fruchtbarkeitsschäden geführt. Beim Menschen sind Zusammenhänge zwischen einer Bisphenol-A-Belastung mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Sexualstörungen sowie Diabetes festgestellt worden.
Die Lobby der Kunststoffindustrie kam mehrmals zu Wort und beteuerte, dass Plastik völlig unproblematisch und ungefährlich ist. Auch die 700 unabhängige Studien, die das Gegenteil beweisen, konnte an der Meinung nichts ändern. Das Argument: Plastik enthält die gesundheitsschädlichen Substanzen zwar, bindet sie aber im Innern – es soll inert sein. Übersetzt heißt das: Wenn ich den Plastiklöffel an der Luft liegen lasse und nicht anfasse, dann passiert auch nichts. Komme ich aber auf die Idee ihn in die Spülmaschine zu tun, ihn zu kochen, mit meinen Zähnen zu kratzen oder sonst wie benutzen, wird das BPA freigesetzt.
Wird das Plastik gekocht, tritt BPA sogar 55 mal schneller aus, als sonst. Da stellt sich mir unweigerlich die Frage: Sollte ich das Plastikfläschchen meiner Tochter denn wirklich weiterhin auskochen, um die so schädlichen Bakterien abzutöten???
BPA kann aber neben den erwähnten Krankheiten noch mehr. Es ist ein Hormongift und imitiert Östrogen. Was im perversesten Fall bedeutet, dass es neben dem körpereigenen Hormon der schwangeren Frau auf die Entwicklung des Embryos im Mutterleib wirkt.
Interessant war auch das Interview mit dem Biologen Frederick vom Saal – einem der größten Kritiker von BPA. Er hatte u.a. eine ganz interessante Idee: Jeder Lebensmittelhersteller ist dazu verpflichtet die Zutaten des Lebensmittels auf der Produktverpackung zu deklarieren. Warum ist BPA nicht deklarationspflichtig, obwohl es nachweislich aus der Verpackung bei Direktkontakt in das Lebensmittel übergeht und damit auch eine Zutat bildet?
Einwenig fremd geschämt habe ich mich bei dem Interview mit Ray Hammond. Er wurde von PlasticEurope entsandt, um die Herr Boote’s Zweifel an der Harmlosigkeit von Plastik auszuräumen. Argumente kamen von ihm keine, aber zum Schluss so etwas wie: “Ich habe keine Bedenken, und wissen Sie warum nicht? Weil ich vertraue.” Naja.
Die Menge an Kunststoff, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht bereits aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal mit Plastikfolien einzupacken
Zitat: Werner Boote in PLASTIC PLANET
Auch wenn das nach einem coolen Guinness-Buch-Rekord klingt, haben wir die nächsten 500 Jahre dran zu knabbern (im wahrsten Sinne des Wortes), denn so lange dauert der Zersetzungsprozess von Plastik. Ich habe mich gleich mal in meinem Haus umgesehen und es ist eigentlich egal in welche Richtung ich schaue – Plastik sehe ich überall.
Wenn die Menschen, mit denen Werner Boote sich unterhalten hat, recht haben, dann ist unser Planet “nachhaltig” mit Plastik verpestet und keiner kann etwas mehr dagegen tun. Selbst wenn wir die Plastikherstellung heute einstellen und alle Gegenstände im Haushalt austauschen, werden wir die Einnahme von BPA nur reduzieren (was zwar gut wäre), aber abstellen können wir es nicht.
Denn Plastikrückstände sind in unserem Hausstaub, Trinkwasser und Atemluft. Und wenn ich morgen zum Fischmarkt gehe und den Fisch kaufe, der mit einem Hanfnetz gefangen, mit einem Edelstahl Hacken rausgezogen, in einer Eisenwanne transportiert und mir schließlich in Papier eingewickelt übergeben wurde, hat er sich im Ozean schon längst zigfach den Magen mit Plastik vollgehauen, das er für Futter hielt. Und das ist das große Problem: mein Essen frisst Plastik.